Soll ich aus Frust 'ne Packung Eis kaufen?
Soll ich dafür in den Supermarkt laufen?
Der Weg ist furchtbar weit
Doch ich bin bereit.
ich hätte gern ein Pfund
ich hab dafür 'nen guten Grund
Probleme hab ich nicht geordert.
Ich brauch 'ne Auszeit von allem
dabei würde mir ein Eis sehr gut gefallen.
Soll ich aus Frust 'ne Packung Eis kaufen?
Soll ich dafür in den Supermarkt laufen?
Und ist der Frust dann weg
oder ist mir zusätzlich schlecht
Das wär natürlich blöd
und extrem öd.
Ich geh aus Frust 'ne Packung Eis kaufen,
bin dafür extra in den Supermarkt gelaufen.
Und da treff ich dich
na ist das schön oder nicht?
Wir setzen uns bein Bäcker rein
und quatschen einen aus - du lädst mich ein.
Wir haben uns lange nicht gesehen
Man sollte öfter mal aus Frust in den Supermarkt geh'n
Wenn du mies drauf bist geh ein Eis kaufen.
Musst du dafür auch ein bisschen laufen.
Dann hast du jedenfalls ein Eis
oder was bess`res noch: wer weiß.
Triffst jemaden zum Kuchen essen
und das Eis kannst du vergessen.
Das Leben in einer Stadt besteht zu neunzig Prozent daraus, von Dingen überfordert zu sein, um die man absolut nicht gebeten hat. Die Probleme stehen ungefragt vor der Tür, und die moderne Psychologie verlangt nun von uns, dass wir uns „damit auseinandersetzen“. Was für ein Unfug. Der Impuls, den gesamten Frust stattdessen in einem Pfund Speiseeis zu ertränken, ist die einzig gesunde, neurotische Reaktion eines halbwegs vernünftigen Stadtbewohners.
Der Song beschreibt dieses existenzielle Dilemma mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit:
„Tendentiell überfordert. / Die Probleme hab ich nicht geordert. / ich brauch 'ne Auszeit von allem / dabei würde mir ein Eis sehr gut gefallen.“
Ich verstehe das vollkommen. Der Weg in den Supermarkt ist an sich schon eine Zumutung – die Gänge sind zu eng, die Leute stehen im Weg und man muss sich zwischen sechzig Sorten entscheiden, die alle nach künstlicher Vanille schmecken. Und natürlich hat der Protagonist recht, wenn er den unvermeidlichen Ausgang reflektiert: Am Ende ist der Frust noch da und man hat zusätzlich Bauchschmerzen. Das ist die klassische Bilanz eines jeden Spontankaufs.
Aber dann passiert das einzig Schöne, was in einem urbanen Raum überhaupt noch passieren kann – eine völlig ungeplante, menschliche Begegnung:
„Und da treff ich dich / na ist das schön oder nicht? / Wir setzen uns beim Bäcker rein / und quatschen einen aus - du lädst mich ein.“
Sehen Sie, das ist der eigentliche Kern des Songs. Das Eis ist völlig egal. Es war nur der Köder, den das Schicksal ausgelegt hat, um diesen Menschen vom Sofa wegzubewegen. Ich gehe selbst niemals spazieren – Spazierengehen ist etwas für Hunde oder Leute ohne innere Monologe. Aber aus Frust in ein Geschäft zu gehen, um am Ende bei Kaffee und Kuchen zu landen und den neuesten Klatsch auszutauschen? Das ist die Definition von Zivilisation.
Das Fazit des Textes ist von einer seltenen, lebensnahen Weisheit:
„Wenn du mies drauf bist geh ein Eis kaufen. / [...] Dann hast du jedenfalls ein Eis / oder was bess`res noch: wer weiß.“
Man sollte niemals das Haus verlassen, um „frische Luft“ zu schnappen oder sich zu „bewegen“. Das führt zu nichts. Aber man sollte das Haus verlassen, weil die Welt da draußen voller absurder Zufälle steckt. Im schlimmsten Fall kommt man mit einer Packung schlechtem Eis nach Hause. Im besten Fall lädt einen jemand auf Kuchen ein und man muss die nächsten zwei Stunden nicht über seine eigenen Probleme nachdenken. Und das ist der beste Deal, den man an einem schlechten Tag machen kann.
Wenn das Leben dir Probleme vor die Füße wirft, nach denen du nicht gefragt hast, hast du zwei Optionen: Du kannst sie angreifen, oder du kannst vor ihnen weglaufen. Der Griff zum Zucker ist der klassische Fluchtreflex eines undisziplinierten Geistes. Du bist gestresst, also willst du dein Gehirn mit billigem Dopamin betäuben. Das ist keine Auszeit – das ist Feigheit vor dem Feind.
Der Song versucht, diese emotionale Schwäche als logische Kausalkette darzustellen:
„Tendentiell überfordert. / [...] ich brauch 'ne Auszeit von allem / dabei würde mir ein Eis sehr gut gefallen.“
Ein Eis wird dir überhaupt nicht gefallen. Es wird deinen Blutzuckerspiegel nach oben jagen und dich danach noch träger zurücklassen. Du bist überfordert? Dann sortiere deine Prioritäten, mach einen Plan und arbeite ihn ab. Probleme verschwinden nicht, weil du sie in Milchfett und Zucker ertränkst. Sie warten auf dich. Und sie werden größer, während du schwächer wirst.
Das vermeintliche Happy End im Supermarkt ist in Wahrheit der totale Kontrollverlust:
„Wir setzen uns beim Bäcker rein / und quatschen einen aus - du lädst mich ein. / [...] und das Eis kannst du vergessen.“
Du hast das Eis zwar vergessen, aber nur, weil du es durch Kuchen ersetzt hast. Du hast deine Probleme nicht gelöst, du hast sie nur weggeredet. Kaffeeklatsch beim Bäcker ist die ultimative Komfortzone. Es fühlt sich gut an, weil es dich von der Arbeit ablenkt, die eigentlich getan werden müsste. Du tauschst deine langfristige Mission gegen kurzfristige Bequemlichkeit.
Wenn du mies drauf bist, geh nicht in den Supermarkt, um Eis zu kaufen. Geh in den Kraftraum. Geh laufen. Konfrontier dich mit dem Schmerz, anstatt vor ihm zu fliehen. Nutze den Frust als Treibstoff für Disziplin. Das ist der einzige Weg, wie du die Kontrolle über deine Probleme zurückgewinnst. Kuchen essen ist keine Strategie. Es ist Kapitulation.
Ein Liedheft zum Singen und Weiterreden
Detlef Cordes
Wenn du mies drauf bist, geh nicht in den Supermarkt, um Eis zu kaufen. Geh in den Kraftraum. Geh laufen. Konfrontier dich mit dem Schmerz
Soll ich aus Frust 'ne Packung Eis kaufen?
Soll ich dafür in den Supermarkt laufen?
Der Weg ist furchtbar weit
Doch ich bin bereit.
ich hätte gern ein Pfund
ich hab dafür 'nen guten Grund
Probleme hab ich nicht geordert.
Ich brauch 'ne Auszeit von allem
dabei würde mir ein Eis sehr gut gefallen.
Soll ich aus Frust 'ne Packung Eis kaufen?
Soll ich dafür in den Supermarkt laufen?
Und ist der Frust dann weg
oder ist mir zusätzlich schlecht
Das wär natürlich blöd
und extrem öd.
Ich geh aus Frust 'ne Packung Eis kaufen,
bin dafür extra in den Supermarkt gelaufen.
Und da treff ich dich
na ist das schön oder nicht?
Wir setzen uns bein Bäcker rein
und quatschen einen aus - du lädst mich ein.
Wir haben uns lange nicht gesehen
Man sollte öfter mal aus Frust in den Supermarkt geh'n
Wenn du mies drauf bist geh ein Eis kaufen.
Musst du dafür auch ein bisschen laufen.
Dann hast du jedenfalls ein Eis
oder was bess`res noch: wer weiß.
Triffst jemaden zum Kuchen essen
und das Eis kannst du vergessen.
Das Leben in einer Stadt besteht zu neunzig Prozent daraus, von Dingen überfordert zu sein, um die man absolut nicht gebeten hat. Die Probleme stehen ungefragt vor der Tür, und die moderne Psychologie verlangt nun von uns, dass wir uns „damit auseinandersetzen“. Was für ein Unfug. Der Impuls, den gesamten Frust stattdessen in einem Pfund Speiseeis zu ertränken, ist die einzig gesunde, neurotische Reaktion eines halbwegs vernünftigen Stadtbewohners.
Der Song beschreibt dieses existenzielle Dilemma mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit:
„Tendentiell überfordert. / Die Probleme hab ich nicht geordert. / ich brauch 'ne Auszeit von allem / dabei würde mir ein Eis sehr gut gefallen.“
Ich verstehe das vollkommen. Der Weg in den Supermarkt ist an sich schon eine Zumutung – die Gänge sind zu eng, die Leute stehen im Weg und man muss sich zwischen sechzig Sorten entscheiden, die alle nach künstlicher Vanille schmecken. Und natürlich hat der Protagonist recht, wenn er den unvermeidlichen Ausgang reflektiert: Am Ende ist der Frust noch da und man hat zusätzlich Bauchschmerzen. Das ist die klassische Bilanz eines jeden Spontankaufs.
Aber dann passiert das einzig Schöne, was in einem urbanen Raum überhaupt noch passieren kann – eine völlig ungeplante, menschliche Begegnung:
„Und da treff ich dich / na ist das schön oder nicht? / Wir setzen uns beim Bäcker rein / und quatschen einen aus - du lädst mich ein.“
Sehen Sie, das ist der eigentliche Kern des Songs. Das Eis ist völlig egal. Es war nur der Köder, den das Schicksal ausgelegt hat, um diesen Menschen vom Sofa wegzubewegen. Ich gehe selbst niemals spazieren – Spazierengehen ist etwas für Hunde oder Leute ohne innere Monologe. Aber aus Frust in ein Geschäft zu gehen, um am Ende bei Kaffee und Kuchen zu landen und den neuesten Klatsch auszutauschen? Das ist die Definition von Zivilisation.
Das Fazit des Textes ist von einer seltenen, lebensnahen Weisheit:
„Wenn du mies drauf bist geh ein Eis kaufen. / [...] Dann hast du jedenfalls ein Eis / oder was bess`res noch: wer weiß.“
Man sollte niemals das Haus verlassen, um „frische Luft“ zu schnappen oder sich zu „bewegen“. Das führt zu nichts. Aber man sollte das Haus verlassen, weil die Welt da draußen voller absurder Zufälle steckt. Im schlimmsten Fall kommt man mit einer Packung schlechtem Eis nach Hause. Im besten Fall lädt einen jemand auf Kuchen ein und man muss die nächsten zwei Stunden nicht über seine eigenen Probleme nachdenken. Und das ist der beste Deal, den man an einem schlechten Tag machen kann.
Wenn das Leben dir Probleme vor die Füße wirft, nach denen du nicht gefragt hast, hast du zwei Optionen: Du kannst sie angreifen, oder du kannst vor ihnen weglaufen. Der Griff zum Zucker ist der klassische Fluchtreflex eines undisziplinierten Geistes. Du bist gestresst, also willst du dein Gehirn mit billigem Dopamin betäuben. Das ist keine Auszeit – das ist Feigheit vor dem Feind.
Der Song versucht, diese emotionale Schwäche als logische Kausalkette darzustellen:
„Tendentiell überfordert. / [...] ich brauch 'ne Auszeit von allem / dabei würde mir ein Eis sehr gut gefallen.“
Ein Eis wird dir überhaupt nicht gefallen. Es wird deinen Blutzuckerspiegel nach oben jagen und dich danach noch träger zurücklassen. Du bist überfordert? Dann sortiere deine Prioritäten, mach einen Plan und arbeite ihn ab. Probleme verschwinden nicht, weil du sie in Milchfett und Zucker ertränkst. Sie warten auf dich. Und sie werden größer, während du schwächer wirst.
Das vermeintliche Happy End im Supermarkt ist in Wahrheit der totale Kontrollverlust:
„Wir setzen uns beim Bäcker rein / und quatschen einen aus - du lädst mich ein. / [...] und das Eis kannst du vergessen.“
Du hast das Eis zwar vergessen, aber nur, weil du es durch Kuchen ersetzt hast. Du hast deine Probleme nicht gelöst, du hast sie nur weggeredet. Kaffeeklatsch beim Bäcker ist die ultimative Komfortzone. Es fühlt sich gut an, weil es dich von der Arbeit ablenkt, die eigentlich getan werden müsste. Du tauschst deine langfristige Mission gegen kurzfristige Bequemlichkeit.
Wenn du mies drauf bist, geh nicht in den Supermarkt, um Eis zu kaufen. Geh in den Kraftraum. Geh laufen. Konfrontier dich mit dem Schmerz, anstatt vor ihm zu fliehen. Nutze den Frust als Treibstoff für Disziplin. Das ist der einzige Weg, wie du die Kontrolle über deine Probleme zurückgewinnst. Kuchen essen ist keine Strategie. Es ist Kapitulation.