Dezember: wie das letzte Stück Pizza auf dem Teller

Artwork: Dezember: wie das letzte Stück Pizza auf dem Teller

Über dieses Lied

Seit Juni scheint das Jahr immer schneller zu vergehen, und im Dezember bleibt nur noch das letzte Stück Pizza auf dem Teller. Dieses Lied vergleicht den Jahresendspurt mit einer kleinen Köstlichkeit, die man bewusst genießen sollte. Silvester wartet schon mit einer neuen Überraschung – und einer wichtigen Erinnerung für die Feier: Getränke gehen extra! Ein Lied von Detlef Cordes.

Dezember: wie das letzte Stück Pizza auf dem Teller,
seit Juni verging das Jahr immer schneller,
Stück für Stück:
genieß dein Glück!
Silvester gibt's 'ne neue Köstlichkeit
schneide an, es ist bald so weit.
Der Appetit kommt beim Essen
aber nicht vergessen:

Getränke gehen extra!

Anmerkungen

Dezember: Über Tapas-Jahre, den Sommer-Blues und die Lokalrunde am Jahresende

Du vergleichst Zeit und Erinnerung mit einem Essen („wie das letzte Stück Pizza auf dem Teller“). Ist dieses Bild ein Kommentar auf unsere durchgetaktete Konsumgesellschaft, in der wir das Leben nicht mehr erleben, sondern in Häppchen verzehren – immer mit dem Blick auf die nächste „Köstlichkeit“?

Ja sag einmal! Verzehren ist doch erleben! Wer liebt denn keine Häppchen? Ich bitte dich: in Soller auf Mallorca auf der Plaza sitzen und Tapas Variadas schmausen. Na: wer möchte denn da nicht nach dieser Analogie sein Jahr verbringen? Monat für Monat!

„Seit Juni verging das Jahr immer schneller.“ Das ist ein Phänomen, das fast jeder Mensch ab einem gewissen Alter kennt. Warum schrumpft das zweite Halbjahr gefühlt immer zu diesem hektischen Endspurt zusammen, und ist das Befehl „genieß dein Glück!“ da ehrlich gemeint oder schon zynische Alltags-Ironie?

Das ist sehr ehrlich gemeint: Genieße das was du hast und mach dir keinen Stress. Die erste Jahreshälfte fühlt sich wie "viel Zeit" an. Und zack! Ist es Juni und die Tage werden wieder kürzer. Der 21. Juni ist ein total trauriger Tag für mich. Aber das ist ja Blödsinn. Das ist ein Stress, den ich mir selber mache.

An Silvester wird „'ne neue Köstlichkeit“ angeschnitten. Die Werbung und die Ratgeberliteratur versprechen uns zum 1. Januar ja stets das große, unbelastete Comeback, das Neuerfinden der eigenen Person. Ist Silvester für dich die größte gesellschaftliche Selbstbetrugs-Veranstaltung des Jahres?

Ach hör auf! Selbstbetrug. Wenn du erlebt hast, dass Menschen in deiner Nähe eben kein ganzes Jahr mehr hatten - dann freust du dich. Und die meisten "Belastungen" sind doch verglichen damit pille-palle.

Der Schlusssatz sitzt tief und trocken: „Getränke gehen extra!“ Am All-Inclusive-Buffet der guten Vorsätze zahlt man am Ende für die Flüssigkeit extra drauf. Ist das deine Metapher für die kleinen, unvorhergesehenen Rechnungen, die das Schicksal uns für jeden vermeintlichen Neuanfang präsentiert?

Also ganz konkret: wenn du gern tief ins Glas guckst - oder einer der anderen beliebten Süchte frönst, dann kriegst du eine gesundheitliche Rechnung. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes der Wehrmutstropfen im Song.

„Der Appetit kommt beim Essen“ – das klingt nach einem Zweckoptimismus. Müssten wir nicht eigentlich nach all dem Jahrend-Trubel satt und müde sein? Woher nimmt der Alltagsmensch immer wieder die unverdrossene Gier auf das nächste Jahr, obwohl man genau weiß, wie es endet?

Hör mal: wer weiß denn schon wie das Jahr endet? Das ist doch nicht selbstverständlich, dass man am Ende noch da ist. "Der Appetit kommt bein Essen": geh mal ins Krankenhaus - die meisten Leute, gerade in den bedrohten Situationen: die haben Bock zu leben. Die haben Appetit.

Teil 2: Nachgehakt

Du beschreibst den 21. Juni als traurigen Tag, weil die Tage danach wieder kürzer werden. Ist dein Song damit auch ein Versuch, sich gegen den eigenen Jahreszeiten-Blues anzusingen?

Ja, auf jeden Fall. Zumal wir zu Silvester ja in der schönen Situation sind, dass die Tage länger und länger werden.

Du sagst ganz direkt, dass die extra Getränke die Quittung für Raubbau und Süchte sind. Ist der Song damit doch eine kleine, unaufgeregte Warnung vor dem Übermaß an den eigenen Marotten?

Ja. Das konnte ich mir nicht verkneifen.

Wenn Silvester das Anschneiden einer neuen Köstlichkeit ist: Wer sitzt mit dir an diesem Tisch? Ist das ein Song für die große, feiernde Runde oder für das stille Zu-Zweit-Sitzen zum Jahreswechsel?

Das ist eine Lokalrunde. Warte mal: kannst du mir Geld leihen?

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