Heinrich Heine: Ich steh auf des Berges Spitze

Live Programm: Heinelieder
Artwork: Heinrich Heine: Ich steh auf des Berges Spitze

Über dieses Lied

Entstanden in den Jahren 1823–1824. Heine parodiert mit gewohntem Witz das bekannte Volksliedmotiv „Wenn ich ein Vöglein wär“. Während die Sehnsucht zunächst klassisch romantisch als Schwalbe und Nachtigall anhebt, bricht das Gedicht in der letzten Strophe mit dem Gimpel ins Satirisch-Selbstironische um: Der Gimpel steht metaphorisch für den leichtgläubigen Narr, dessen Liebeskummer von der Angebeteten kuriert werden soll. Das Gedicht erschien 1824 im Zyklus „Die Heimkehr“ (Gedicht Nr. 40) und 1827 im „Buch der Lieder“.

Ich steh auf des Berges Spitze,
Und werde sentimental.
'Wenn ich ein Vöglein wäre!'
Seufz ich viel tausendmal.

Wenn ich eine Schwalbe wäre,
So flög ich zu dir, mein Kind,
Und baute mir mein Nestchen,
Wo deine Fenster sind.

Wenn ich eine Nachtigall wäre,
So flög ich zu dir, mein Kind,
Und sänge dir Nachts meine Lieder
Herab von der grünen Lind.

Wenn ich ein Gimpel wäre,
So flög ich gleich an dein Herz;
Du bist ja hold den Gimpeln,
Und heilest Gimpelschmerz.

Artwork: Heinrich Heine: Ich steh auf des Berges Spitze