Hugo von Hofmannsthal - Vorfrühling

Artwork: Hugo von Hofmannsthal - Vorfrühling

Über dieses Lied

In „Vorfrühling“ beschreibt Hugo von Hofmannsthal den Frühlingswind als geheimnisvolle Kraft, die durch kahle Alleen, Zimmer und Landschaften zieht. Er begegnet Menschen in Momenten des Weinens und Lachens, berührt Lippen, bewegt Blüten und lässt Schatten zurück. Dabei verbindet sich der Aufbruch des Frühlings mit einer melancholischen, beinahe traumhaften Stimmung. Detlef Cordes hat das Gedicht in eine musikalische Interpretation übertragen.

Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
wo Weinen war,
und hat sich geschmiegt
in zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
und kühlte die Glieder,
die atmend glühten.

Lippen im Lachen
hat er berührt,
die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
als schluchzender Schrei,
an dämmernder Röte
flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
durch flüsternde Zimmer
und löschte im Neigen
der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.

Durch die glatten
kahlen Alleen
treibt sein Wehn
blasse Schatten

und den Duft,
den er gebracht,
von wo er gekommen
seit gestern nacht.

Text: Hugo von Hofmannsthal. Musik ©2001 Detlef Cordes

Artwork: Hugo von Hofmannsthal - Vorfrühling