Ja ich bin so schön

Artwork: Ja ich bin so schön

Über dieses Lied

Ich bin so schön ist ein sarkastisches Lied über maßlose Selbstbewunderung. Das lyrische Ich ist überzeugt, allein durch seine Schönheit die Frauen für sich zu gewinnen, und erklärt seinen Körper zu seinem wichtigsten Kapital. Die Behauptung, von Natur aus zum Liebhaber bestimmt zu sein, wird durch die selbstgefällige Sprache und die Übertreibungen ins Absurde gesteigert. Am Ende wird deutlich, dass für dieses Ich neben seinem Aussehen „alles andere“ keine Bedeutung hat.

Frauenherzen werden warm.
Sie schmelzen sanft dahin.
Das ist mein unwiderstehlicher Charme.
Ich komme, sehe und gewinn.

Denn ich bin so schön,
so wunderbar schön,
dass die Frauen keinen anderen sehen.

Ja ich bin so schön,
so wunderbar schön,
sie wollen nur mit mir gehen.

Ich bin nun einmal so geboren.
Man hat es oder hat es nicht.
Der Liebe bin ich auserkoren.
Das steht geschrieben auf meinem Gesicht.

Ich bin nun einmal so ein Beau.
Mein Körper ist mein Kapital.
Vom Kopf bis hin zum süßen Po.
Alles andere ist mir total egal.

Anmerkungen

„Mein Körper ist mein Kapital“ – Realsatire oder reaktionärer Abgesang? Ein Interview

Der Text feiert ein völlig unreflektiertes Macho-Ego. Ist diese Figur als Realsatire über einen narzisstischen Clown gemeint, oder soll das ernsthaft Charme ausstrahlen?

Das soll natürlich Satire sein und nicht meine eigene Selbstdarstellung. Ich weiß aber, dass es diesen Typ Mann, der sich für unwiderstehlich hält und das genießt, noch häufig gibt. Insofern ist das Lied ein Haken, an dem man ihn festmachen kann – als Alltagswerkzeug sozusagen.

Frauen werden hier auf eine schlichte Funktion reduziert: Sie schmelzen dahin und sind willenlose Bewundererinnen. Warum bedienst du diese klischeehaften Rollenbilder?

Ich bediene mich des Klischees aus der Sicht des Machos, der dieses Klischee als Arbeitshypothese braucht. Sonst würde seine Masche ja gar nicht funktionieren. Ob es das Klischee in der Realität noch gibt, lasse ich dabei bewusst offen.

„Mein Körper ist mein Kapital“ – dieser Satz entstammt der Debatte um Objektivierung. Wenn ein Mann das so beansprucht: Ist das Selbstüberhöhung oder ein zynischer Kommentar?

Es ist ein zynischer Kommentar auf diese Haltung. Die Figur schämt sich nicht einmal dafür, sondern ist sogar stolz darauf: „Mein Körper ist mein Kapital.“

Ironie trägt das Risiko, missverstanden zu werden. Wie gehst du mit der Gefahr um, dass der Song unironisch abgefeiert wird?

Ironie geht immer das Risiko ein, dass sie als solche verstanden werden muss. Ich hoffe, dass ich in der Art, wie ich diesen Song darbiete, genug „Ironiezeichen“ eingebaut habe. Das ist mir das Risiko wert.

Warum schreibst du eine Kunstfigur fort, die aus den Fünfzigerjahren zu stammen scheint, statt diesen Typen gnadenlos auflaufen zu lassen?

Diesen Typen gnadenlos auflaufen zu lassen – das wäre ein anderer Song, den ich ganz bestimmt auch noch machen werde. Aber weil es diese Typen auch heute noch gibt, müssen sie beschrieben werden. Und zwar ironisch übersteigert, damit das Etikett deutlich lesbar ist.

Wo begegnen dir solche Figuren heute noch im echten Leben?

Solche Figuren begegnen mir sehr oft da, wo Männer unter sich sind. Wo die Kumpanei gegen die Frauen das Band ist, was die Männergemeinschaft jeweils hier und jetzt zusammenhält. Nach dem Motto: „Wir sind doch unter uns.“

Wie genau sieht das „Ironiezeichen“ auf der Bühne aus?

Das Ironiezeichen im Song sind die gehauchte Stimme und die sehr gefälligen Harmonien der Gitarre.

Und wie steht es um das angekündigte Gegenstück?

Beim angekündigten Gegenstück wird die Frau handgreiflich. Zack, gibt's einen Tritt in die Eier. Der Text ist fertig – aber ich weiß noch nicht, ob ich die Gewalt so bringen kann.

Artwork: Ja ich bin so schön