Man schreibt vom Sofa aus viel härter als man spricht

Artwork: Man schreibt vom Sofa aus viel härter als man spricht

Über dieses Lied

Warum schreiben Menschen in sozialen Medien und Kommentaren im Internet oft härter, als sie im persönlichen Gespräch sprechen würden? Dieses Lied über digitale Kommunikation zeigt, wie schnell Urteile entstehen, wenn Mimik, Gestik und der persönliche Kontext fehlen. Es geht um Hasskommentare, verbale Enthemmung und die Frage, wie wir im Netz miteinander umgehen wollen. Denn hinter jedem Text steht ein Mensch.

Man schreibt vom Sofa aus viel härter als man spricht,
vergiss das nicht, vergiss das nicht!
Vom Sofa hältst du über Menschen Gericht,
die du nicht siehtst: vergiss das nicht.

Auf dem Sofa steigerst du dich rein,
schwarz/weiß – ja/nein – alles digital.
Auf dem Sofa sitzt du ganz allein:
Der Kontext fehlt – und das ist fatal.

Im Netz fehlt dir die Mimik,
keine Geste, kein zögernder Blick.
Kein Lächeln, das die Worte bricht:
die Person hinterm Text siehst du nicht.

Anmerkungen

Warum schreiben wir im Internet härter, als wir sprechen?

Ich kenne das von mir selbst: Im Internet können mir Menschen tierisch auf den Zünder gehen. Ich reagiere, formuliere eine Antwort und ärgere mich hinterher manchmal darüber, wie wichtig ich die Sache genommen habe. Dabei ist mir schon etwas verloren gegangen, das mir eigentlich wichtig war: Freundschaften.

Wenn E-Mail-Diskussionen eskalieren

Eine Zeit lang war ich in einem SPD-Ortsverein. Wenn wir uns mit mehreren Beteiligten per E-Mail über lokalpolitische Themen austauschten, ging das regelmäßig schief. Ich hatte geglaubt, schriftliche Kommunikation mache die Diskussion sachlicher. Man kann seine Gedanken in Ruhe formulieren, wird nicht unterbrochen und kann seinen Standpunkt ausführlich erklären.

Doch ich hatte etwas übersehen: Im Lauf einer Diskussion werden nicht nur Argumente ausformuliert. Auch Häme und Spott finden ihren Platz. Man kann eine Antwort sorgfältig formulieren und sie dabei immer weiter zuspitzen. Was als sachliche Auseinandersetzung beginnt, wird zum persönlichen Konflikt. Im Rückblick war das für mich The Road to Desaster. Die meisten der damaligen Neulinge traten wieder aus dem Ortsverein aus. Und ich grüßte später Menschen, die vorher sogar meine Freunde gewesen waren, auf der Straße nicht mehr.

Was uns beim Schreiben fehlt

Im persönlichen Gespräch bekommen wir unmittelbare Rückmeldungen. Wir sehen einen irritierten Blick, ein Zögern oder ein Lächeln. Wir können bemerken, dass unsere Worte anders ankommen, als wir sie gemeint haben. In einer E-Mail oder einem Kommentar in sozialen Medien fehlen viele dieser Signale. Wir sehen den Text, aber nicht den Menschen, der ihn liest.

Die Psychologie kennt dafür unter anderem den Begriff Online-Enthemmungseffekt. Er beschreibt, dass Menschen sich online mitunter ungehemmter äußern als in einer direkten Begegnung. Das erklärt nicht jeden Streit und macht verletzende Worte nicht harmlos. Es hilft aber zu verstehen, warum die Hemmschwelle für einen scharfen Ton sinken kann.

Eine Erkenntnis, die bei mir selbst anfängt

Heute ärgert mich vor allem, wie hoch ich manche Auseinandersetzungen gehängt habe. Ich hätte gelassener reagieren können. Nicht jede Bemerkung braucht eine Antwort, nicht jede Meinungsverschiedenheit muss bis zum letzten Argument ausgefochten werden.

Eine sorgfältig formulierte Nachricht ist noch lange keine gute Kommunikation. Und manchmal macht gerade die Möglichkeit, alles in Ruhe auszuschreiben, den Streit schärfer, als er im persönlichen Gespräch geworden wäre.

Darum geht es in meinem Lied „Man schreibt vom Sofa aus viel härter als man spricht“. Nicht nur um Hasskommentare im Internet, sondern auch um die Frage, wie wir miteinander umgehen, wenn wir den Menschen hinter dem Text aus dem Blick verlieren.

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