Frederike Theuerbier ist eine fiktive Interviewerin. Sie stellt die Fragen, Detlef Cordes antwortet. Mehr über Frederike
Arroganz und Dummheit – ein persönliches Interview
Eine prägende Erfahrung
Gab es einen konkreten Menschen oder eine bestimmte Situation, die dich zu diesem Song inspiriert hat? Oder ist der Text aus einer längeren Beobachtung menschlichen Verhaltens entstanden?
Ja, es gab einen konkreten Anlass, wo ich sogar das Datum sagen könnte, so prägnant war das. Ich hatte versucht, mich in einer politischen Partei zu engagieren und hatte, glaube ich, auch ganz gute Argumente – und da bin ich ausgelacht worden. Hinterher habe ich zufällig erfahren, dass im Protokoll über mich hergezogen wurde. Das war dann das Ende meines Engagements in dieser Partei. Aber ich möchte über diesen konkreten Fall nicht sprechen. Der Song beschreibt ja ein Pattern, das mir jedenfalls oft begegnet.
Der Wille zur Macht
Was ist für dich der entscheidende Unterschied zwischen einem Menschen, der sich überschätzt, und einem Menschen, der dadurch tatsächlich gefährlich wird? Ist es die Macht, die ihm andere geben, oder die Unfähigkeit, die eigenen Grenzen überhaupt wahrzunehmen?
Es ist der unbedingte „Wille zur Macht“ – ich habe das Buch von Nietzsche noch nicht gelesen –, aber das trifft es. Menschen, die nach außen hin ein unbändiges Selbstvertrauen haben und koste es, was es wolle, wie Elefanten durch jegliche Diskurse stampfen. Und wenn sie auch nicht das Wissen haben, in der Sache positiv wirken zu können, so wissen sie doch, wie sie ihre Ellenbogen einsetzen. Und das ist gefährlich.
Die Verletzung hinter der Satire
Glaubst du, dass solche Menschen ihre Unsicherheit selbst spüren und durch Dominanz überspielen? Oder ist das Bedürfnis nach Anerkennung für sie so selbstverständlich geworden, dass sie gar nicht mehr merken, wie sehr sie davon abhängig sind?
Ich kann darüber nur spekulieren. Warum ist jemand so? Im Song nehme ich mir die Freiheit, diese Person klein zu machen. Ich bin da immer noch sehr verletzt und vielleicht selbst ein Elefant, der durch den Diskurs stampft. Ein Elefant, der vor einer Maus scheut. Deswegen möchte ich auch abstrakt darüber sprechen – das liegt zu sehr am Herzen: oder vielmehr an der Amygdala.
Der Song als eigenes Reich
Ist das Lied für dich auch eine Möglichkeit, dir ein Stück Macht zurückzuholen? Du kannst im Song den Spieß umdrehen, die Verhältnisse sprachlich zurechtrücken und denjenigen, der dich verletzt hat, selbst zur Karikatur machen. Ist das für dich eine legitime Form der Selbstbehauptung – oder beobachtest du dabei auch mit einer gewissen Skepsis, dass du dich der gleichen Mittel bedienst, die du kritisierst?
„Rache ist Blutwurst!“ Der Song ist mein Reich, da bin ich Kaiser und die Figuren machen gefälligst einen Hofknicks. Der Unterschied ist: Dies ist Fantasie und das andere war Realität – leider sogar Politik. So wird über richtige Menschen geherrscht, nicht über Figuren in einem Song. Mich regt das auf und ich kann da gar nichts tun.
„What can a poor boy do, but sing ...?“ – Alter: der Weg durch die Instanzen! Der Weg durch die Parteitage! Sowas habe ich mal versucht, als ich Anfang 50 war. Das ist wohl zu spät. Auch gesundheitlich.
Ein emotionales Protokoll
Wenn du heute solche Songs schreibst: Ist das Singen für dich eine Möglichkeit, dir die eigene Handlungsfähigkeit zurückzuholen? Oder steckt darin auch die Hoffnung, dass ein Hörer sich in deinen Beobachtungen wiedererkennt, über das Muster nachdenkt und vielleicht beim nächsten Mal anders handelt?
Das Lied ist einfach ein emotionales Protokoll, eine Beschreibung. Mehr nicht. Es gibt das alte Ritual des „Bannens“. Etwas aggressiver: die Voodoo-Puppe. Du machst dir ein Bild von jemandem und verfährst damit, wie du es für gerecht hältst. Ein Ventil für die Seele – das so nirgendwo Schaden anrichtet.
Nur für meine Seele? Das glaube ich nicht. Dazu wird mir dieser Typ von anderen zu häufig beschrieben.