Wer die Wahl hat, hat die Qual
denn wer die Wahl hat muss sich entscheiden
Manchen fällt das leicht doch manche können das so überhaupt nicht leiden.
Wenn man beim Bäcker vor den Brotsorten steht
und die Bäckereifachfrau dezent die Augen verdreht.
Doch nichts drängt sich so richtig auf
und die Entscheidung nimmt nur langsam ihren Lauf
Wenn man beim Dönermann vor der Speisetafel steht
und der Dönermann seufzt und schon leicht die Augen verdreht
'Ich wollt doch so gern mal was and'res nehm'n!'
'Ey Chef du hast ein Luxusproblem!'
Wenn du die Wahl hast aber davon überhaupt nichts wählen magst
und dich nur nach dem kleineren Übel fragst
Entscheiden musst du dich trotzdem
denn Wählen können ist ein Luxusproblem
Die Vorstellung, dass eine gigantische Auswahl mit persönlicher Freiheit gleichzusetzen sei, gehört zu den erfolgreichsten PR-Lügen der westlichen Welt. Die Leute glauben tatsächlich, sie würden ein selbstbestimmtes Leben führen, weil sie im Supermarkt zwischen achtundzwanzig Sorten Joghurt wählen können. In Wahrheit ist diese permanente Entscheidungsfindung nichts anderes als eine Beschäftigungstherapie für Leute, die ansonsten keine echten Probleme haben.
Der vorliegende Text versucht nun, diese alltägliche, nervtötende Lähmung in den Rang eines philosophischen Weltschmerzes zu erheben. Da steht jemand vor dem Tresen und blockiert den gesamten Betrieb, während das Personal zu Recht die Augen verdreht – egal ob beim Bäcker oder beim Dönermann.
Mein Mitleid hält sich in engen Grenzen. Wenn ich ein Geschäft betrete, weiß ich, was ich will, bevor ich die Schwelle übertrete. Die hart arbeitenden Menschen hinter diesen Tresen sind verdammt noch mal nicht deine Therapeuten! Sie sind nicht dazu da, dich bei deiner spirituellen Sinnsuche zwischen Roggenmischbrot und Dinkel-Vollkorn zu begleiten. Sie wollen Geld einnehmen und Feierabend machen. Sie wollen keine existenziellen Krisen am Vormittag moderieren.
Wer vor einer simplen Speisekarte steht und jammert, er könne sich nicht entscheiden, leidet nicht an einem Mangel an Optionen, sondern an einem eklatanten Mangel an Charakter. Es ist kein „Luxusproblem“ – es ist eine akute Charakterschwäche! Ein Luxusproblem wäre es, wenn jede Option absolut brillant wäre. Wenn du aber zwischen lauter Dingen wählen musst, die du im Grunde gar nicht willst, dann ist das kein Luxus, sondern schlicht ein miserables Lebensmanagement.
Wählen zu können befreit dich nicht von der Pflicht, dein Gehirn einzuschalten. Wenn du nicht weißt, was du willst, dann geh den Leuten nicht auf die Nerven, die einen echten Job erledigen müssen. Triff einfach irgendeine Entscheidung. Wenn sie grauenhaft war, merkst du es beim Kauen. Alles andere ist keine Philosophie, sondern eine Unverschämtheit gegenüber der hungrigen Schlange hinter dir.
Der Songtext trifft einen Nerv, der weit über die Theke beim Bäcker oder Dönermann hinausreicht. Was oberflächlich wie die alltägliche Überforderung durch zu viele Optionen wirkt, beschreibt im Kern das Wesen unserer Demokratie.
Wenn man Churchills berühmten Satz ernst nimmt, dass die Demokratie die „am wenigsten schlechte aller Regierungsformen“ ist, dann liefert dieser Text den perfekten Kommentar dazu. Und zwar einen, der ein echtes, positives Plädoyer für die Beteiligung liefert.
Die Zeile „Wenn du die Wahl hast aber davon überhaupt nichts wählen magst / und dich nur nach dem kleineren Übel fragst“ spiegelt das wieder, was viele vor einer Entscheidung fühlen. Man sucht oft vergeblich nach der Option, die zu 100 Prozent den eigenen Vorstellungen entspricht.
Aus Churchills Perspektive ist das kein Systemfehler, sondern Systemalltag. Demokratie bedeutet, dass viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen. Die Suche nach dem kleinsten Übel ist in Wahrheit die Suche nach dem machbaren Kompromiss. Es geht nicht darum, das perfekte Ideal zu finden, sondern das Beste aus den realen, menschlichen Optionen herauszuholen.
Wer vor der Speisetafel steht und zögert, vergisst schnell, wie die Alternative aussieht. Die echte, bittere Qual existiert dort, wo es nur eine einzige Vorgabe gibt und von oben herab diktiert wird, was man zu schlucken hat.
Die „Qual“ der Entscheidung erfordert Energie, sie zwingt uns zum Nachdenken und nervt manchmal (so wie die dezent die Augen verdrehende Bäckereifachverkäuferin im Text). Aber dieses Zaudern ist der lebendige Beweis dafür, dass wir frei sind. Wir dürfen abwägen. Wir müssen nicht einfach nicken.
Der Refrain bringt es auf den Punkt: „Wählen können ist ein Luxusproblem.“
Genau hier kippt der Text von der Alltagsbeobachtung in die Wertschätzung politischer Freiheit. Sich überhaupt den Kopf darüber zerbrechen zu dürfen, wie die Zukunft gestaltet werden soll, setzt voraus, dass die eigene Stimme ein Gewicht hat. In vielen Teilen der Welt gibt es dieses Luxusproblem schlichtweg nicht.
Ja, die Auswahl kann überfordern. Ja, man muss sich durchbeißen und Entscheidungen treffen, die sich vielleicht nicht immer perfekt anfühlen. Aber die Stimme nicht abzugeben, bedeutet, das eigene Gestaltungsrecht ungenutzt anderen zu überlassen. Wer die Qual der Wahl hat, besitzt die Freiheit der Wahl. Dieses Privileg zu nutzen ist kein lästiger Pflichttermin, sondern das Recht, die eigene Welt selbst mitzubestimmen. Nutzen wir dieses Luxusproblem.
Ein Liedheft zum Singen und Weiterreden
Detlef Cordes
Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie längst verboten
"Die Strafe, die die guten Menschen erleiden, wenn sie sich nicht um die Regierung kümmern, besteht darin, dass sie von schlechteren regiert werden." ~Platon
Wer die Wahl hat, hat die Qual
denn wer die Wahl hat muss sich entscheiden
Manchen fällt das leicht doch manche können das so überhaupt nicht leiden.
Wenn man beim Bäcker vor den Brotsorten steht
und die Bäckereifachfrau dezent die Augen verdreht.
Doch nichts drängt sich so richtig auf
und die Entscheidung nimmt nur langsam ihren Lauf
Wenn man beim Dönermann vor der Speisetafel steht
und der Dönermann seufzt und schon leicht die Augen verdreht
'Ich wollt doch so gern mal was and'res nehm'n!'
'Ey Chef du hast ein Luxusproblem!'
Wenn du die Wahl hast aber davon überhaupt nichts wählen magst
und dich nur nach dem kleineren Übel fragst
Entscheiden musst du dich trotzdem
denn Wählen können ist ein Luxusproblem
Die Vorstellung, dass eine gigantische Auswahl mit persönlicher Freiheit gleichzusetzen sei, gehört zu den erfolgreichsten PR-Lügen der westlichen Welt. Die Leute glauben tatsächlich, sie würden ein selbstbestimmtes Leben führen, weil sie im Supermarkt zwischen achtundzwanzig Sorten Joghurt wählen können. In Wahrheit ist diese permanente Entscheidungsfindung nichts anderes als eine Beschäftigungstherapie für Leute, die ansonsten keine echten Probleme haben.
Der vorliegende Text versucht nun, diese alltägliche, nervtötende Lähmung in den Rang eines philosophischen Weltschmerzes zu erheben. Da steht jemand vor dem Tresen und blockiert den gesamten Betrieb, während das Personal zu Recht die Augen verdreht – egal ob beim Bäcker oder beim Dönermann.
Mein Mitleid hält sich in engen Grenzen. Wenn ich ein Geschäft betrete, weiß ich, was ich will, bevor ich die Schwelle übertrete. Die hart arbeitenden Menschen hinter diesen Tresen sind verdammt noch mal nicht deine Therapeuten! Sie sind nicht dazu da, dich bei deiner spirituellen Sinnsuche zwischen Roggenmischbrot und Dinkel-Vollkorn zu begleiten. Sie wollen Geld einnehmen und Feierabend machen. Sie wollen keine existenziellen Krisen am Vormittag moderieren.
Wer vor einer simplen Speisekarte steht und jammert, er könne sich nicht entscheiden, leidet nicht an einem Mangel an Optionen, sondern an einem eklatanten Mangel an Charakter. Es ist kein „Luxusproblem“ – es ist eine akute Charakterschwäche! Ein Luxusproblem wäre es, wenn jede Option absolut brillant wäre. Wenn du aber zwischen lauter Dingen wählen musst, die du im Grunde gar nicht willst, dann ist das kein Luxus, sondern schlicht ein miserables Lebensmanagement.
Wählen zu können befreit dich nicht von der Pflicht, dein Gehirn einzuschalten. Wenn du nicht weißt, was du willst, dann geh den Leuten nicht auf die Nerven, die einen echten Job erledigen müssen. Triff einfach irgendeine Entscheidung. Wenn sie grauenhaft war, merkst du es beim Kauen. Alles andere ist keine Philosophie, sondern eine Unverschämtheit gegenüber der hungrigen Schlange hinter dir.
Der Songtext trifft einen Nerv, der weit über die Theke beim Bäcker oder Dönermann hinausreicht. Was oberflächlich wie die alltägliche Überforderung durch zu viele Optionen wirkt, beschreibt im Kern das Wesen unserer Demokratie.
Wenn man Churchills berühmten Satz ernst nimmt, dass die Demokratie die „am wenigsten schlechte aller Regierungsformen“ ist, dann liefert dieser Text den perfekten Kommentar dazu. Und zwar einen, der ein echtes, positives Plädoyer für die Beteiligung liefert.
Die Zeile „Wenn du die Wahl hast aber davon überhaupt nichts wählen magst / und dich nur nach dem kleineren Übel fragst“ spiegelt das wieder, was viele vor einer Entscheidung fühlen. Man sucht oft vergeblich nach der Option, die zu 100 Prozent den eigenen Vorstellungen entspricht.
Aus Churchills Perspektive ist das kein Systemfehler, sondern Systemalltag. Demokratie bedeutet, dass viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen. Die Suche nach dem kleinsten Übel ist in Wahrheit die Suche nach dem machbaren Kompromiss. Es geht nicht darum, das perfekte Ideal zu finden, sondern das Beste aus den realen, menschlichen Optionen herauszuholen.
Wer vor der Speisetafel steht und zögert, vergisst schnell, wie die Alternative aussieht. Die echte, bittere Qual existiert dort, wo es nur eine einzige Vorgabe gibt und von oben herab diktiert wird, was man zu schlucken hat.
Die „Qual“ der Entscheidung erfordert Energie, sie zwingt uns zum Nachdenken und nervt manchmal (so wie die dezent die Augen verdrehende Bäckereifachverkäuferin im Text). Aber dieses Zaudern ist der lebendige Beweis dafür, dass wir frei sind. Wir dürfen abwägen. Wir müssen nicht einfach nicken.
Der Refrain bringt es auf den Punkt: „Wählen können ist ein Luxusproblem.“
Genau hier kippt der Text von der Alltagsbeobachtung in die Wertschätzung politischer Freiheit. Sich überhaupt den Kopf darüber zerbrechen zu dürfen, wie die Zukunft gestaltet werden soll, setzt voraus, dass die eigene Stimme ein Gewicht hat. In vielen Teilen der Welt gibt es dieses Luxusproblem schlichtweg nicht.
Ja, die Auswahl kann überfordern. Ja, man muss sich durchbeißen und Entscheidungen treffen, die sich vielleicht nicht immer perfekt anfühlen. Aber die Stimme nicht abzugeben, bedeutet, das eigene Gestaltungsrecht ungenutzt anderen zu überlassen. Wer die Qual der Wahl hat, besitzt die Freiheit der Wahl. Dieses Privileg zu nutzen ist kein lästiger Pflichttermin, sondern das Recht, die eigene Welt selbst mitzubestimmen. Nutzen wir dieses Luxusproblem.