Am Montag komm ich nicht

Artwork: Am Montag komm ich nicht
Meine Arbeit, deine Arbeit
So ist nun mal die Welt
Aber ich mach lieber keine Arbeit
Weil mir das so gefällt

Ich hab keine Lust zu schwitzen
Hey, Kollegin weißt Bescheid
Ich bleib zu Haus, tut mir nicht leid
Tut mir nicht leid

Am Montag komm ich nicht
Am Montag komm ich nicht
Am Montag komm ich nicht
Am Montag komm ich nicht
Nein, am Montag komm ich nicht
Nein, am Montag komm ich nicht

Den ganzen blauen Montag
Lieg ich auf der faulen Haut
Das ist alle Male besser
Als beim Job den Tag versaut

Ich ruh mich heute aus
Das find ich wunderbar
Ich bleib zu Haus
Bei mir ist alles klar
Alles klar

Chorus

Ich werd´ mich total entspannen
Und bis in die Puppen pennen
Alles sonst ist mir egal
Ihr könnt mich gerne sonstwie nennen.
Ich ess mein zweites Frühstücksei
Heute keinen Trieb
Gehabt euch wohl, ich hab mich lieb
Ich hab mich lieb

Chorus

Text & Musik © 1995 Detlef Cordes.

Anmerkungen

Arbeitsmoral, Leistungsdruck und die Kunst, sich aus dem Staub zu machen

„Am Montag komm ich nicht!“ Wer kennt diesen Gedanken nicht? Ein Lied über Arbeitsfrust, fehlende Motivation, Selbstfürsorge und die kleinen Fluchten aus dem Alltag. Was zunächst wie eine Hymne auf die Faulheit klingt, führt mitten hinein in Fragen der Arbeitspsychologie: Wie gehen Menschen mit Stress und Leistungsdruck um? Welche Ventile brauchen sie? Und wie viel moralische Konsequenz können wir eigentlich voneinander erwarten?

1. Arbeitsmoral: Der Montag kommt bestimmt

In deinem Lied heißt es: „Meine Arbeit, deine Arbeit – so ist nun mal die Welt. Aber ich mach lieber keine Arbeit, weil mir das so gefällt.“ Das klingt wie eine ziemlich ungenierte Absage an die Arbeitsmoral. Ist das eine bewusste Provokation? Oder steckt dahinter eine ernst gemeinte Überlegung, dass wir Arbeit manchmal viel zu wichtig nehmen und das Recht auf Müßiggang verteidigen sollten?

Ein heißes Pflaster und ein weites Feld. Der Titel des Songs kam von einem Kollegen, der den Job hasste und jeden Freitag bei Schichtende sagte: „Am Montag komm ich nicht wieder, das schwör ich euch! Ich werde den Lotto-Jackpot knacken.“

Er kam jeden Montag wieder. Mit einem schlimmen Kater. Übellaunig. Und dann lag die ganze Woche vor uns. Und am Mittwoch feiern wir „Bergfest“. Und das ist das Leben. Und das ist normal. Einfach als Sachstand formuliert – nicht als Anklage.

2. Arbeitsfrust und Stressbewältigung: Wir brauchen Ventile

In der Arbeitspsychologie spricht man unter anderem von Arbeitszufriedenheit, innerer Kündigung und Bewältigungsstrategien. Menschen entwickeln unterschiedliche Methoden, um mit einem Job zurechtzukommen, den sie eigentlich nicht mögen. Glaubst du, dass solche kleinen Fluchten und Montagsfantasien zum normalen Arbeitsleben dazugehören? Sind sie vielleicht sogar ein psychologisches Ventil, damit man die Woche überhaupt durchsteht?

Ich glaube, dass sehr viele Menschen im Beruf unter großer Anspannung stehen und sich das irgendwie erträglich machen müssen. Okay: Wir klagen auf einem hohen Niveau. Aber das ist das Leben, das wir führen. Es hilft nicht zu sagen: „Deine Urgroßeltern hätten sich über dieses Leben gefreut!“

Die Konflikte der verschiedensten Art sind real und spielen sich in uns ab. Die brauchen Ventile. Zisch! Und die Ventile sind oft gar nicht schön.

3. Psychologische Bewältigungsstrategien: Verstehen heißt nicht verzeihen

In der Psychologie versucht man, Verhalten nicht isoliert zu betrachten, sondern seine Ursachen und Funktionen zu verstehen. Das bedeutet aber keineswegs, schädliches Verhalten zu entschuldigen. Gerade bei Sucht und Aggression können die Folgen für andere Menschen verheerend sein. Ist es dir wichtig, solche Verhaltensweisen nicht vorschnell moralisch zu bewerten, sondern zunächst einmal zu verstehen, warum Menschen so handeln?

Ich weiß gar nicht, ob ich erklären könnte, wie man irgendwas besser machen könnte. Ich habe keinen Meta-Code für das Leben anderer Menschen. Ich würde also sagen: Wenn man die Ebene des Verstehens erreicht, ist viel gewonnen.

Ich will aber auch nicht darauf hinaus: „Alles verstehen heißt alles verzeihen.“ Süchtige richten riesige persönliche Schäden bei anderen Menschen an. Das Ventil der Gewalttätigkeit in all den Formen, die wir heute sehen, ist von Übel. Aber Menschen machen so etwas aus inneren Gründen.

4. Verantwortung und soziale Folgen: Wenn die Kollegen die Arbeit machen müssen

Wer am Montag nicht zur Arbeit kommt, verschwindet nicht einfach aus dem System. Die Arbeit bleibt liegen oder wird anderen aufgebürdet. In der Arbeitspsychologie kennt man solche Verhaltensweisen auch im Zusammenhang mit sozialem Faulenzen und Verantwortungsdiffusion. Ist die demonstrative Arbeitsverweigerung in deinem Lied also vielleicht doch keine so harmlose Form des Aussteigens?

Na ja: Wenn du am Montag nicht kommst, dann müssen die Kolleginnen und Kollegen deine Arbeit mitmachen. In den meisten Fällen ist das so. Und die haben auch eine schwierige Woche und ein kurzes Wochenende hinter sich – und eine schwere Woche vor sich.

Für mich ist das keine harmlose, sympathische Form des Aussteigens. TTV sagte man bei der Bundeswehr: Tarnen, Täuschen, Verpissen. Wenn wir das aufs Schlachtfeld des Alltags übertragen: sicher verständlich. Sicher nicht schön.

5. Menschliche Widersprüche: Liebe statt moralischer Perfektion

Wir haben Ansprüche an uns selbst und an andere, werden ihnen aber nicht immer gerecht. Vielleicht ist das ein grundlegender Widerspruch menschlichen Zusammenlebens. Gibt es für dich überhaupt das moralisch einwandfreie Individuum? Oder müssen wir akzeptieren, dass wir alle mit unseren Widersprüchen leben und einander trotzdem aushalten müssen?

Wir leben alle in Widersprüchen. Die kriegen wir nicht weggebügelt. Es gibt das moralisch einwandfreie Individuum nicht. Das wusste übrigens die Bibel: Wir sind alle Sünder und brauchen die Gnade. Es ist niemand perfekt. In keiner moralischen Auseinandersetzung.

Oder wenn ich jetzt ganz philosophisch werden darf: „Letzter Grund menschlichen Zusammenlebens ist die Liebe – und nicht die Moral. Die Moral ist ein vorletzter Grund.“ Das sagte Carl Friedrich von Weizsäcker.

Vielleicht ist das auch ein ganz guter Gedanke für einen Montagmorgen.

Artwork: Am Montag komm ich nicht