Beim Förster in den Bergen

Artwork: Beim Förster in den Bergen

Über dieses Lied

Beim Förster in den Bergen ist ein sarkastisches Lied über die Begeisterung für eine vermeintliche Lieblingssendung und ihre Hauptfigur, einen Förster mit Hündin und Jeep. Die Sendung erscheint als heile Welt, in der der Förster im Wald stets den Überblick behält, jedes Problem erkennt und am Ende alles wieder gut wird. Die überschwängliche Bewunderung für diese makellose Ordnung ist so stark überzeichnet, dass gerade die scheinbare Harmlosigkeit und Verlässlichkeit der Fernsehwelt zum Gegenstand des Spottes werden.

Kennst du meine Lieblingssendung?
Die bringt mich so gut drauf.
Beim Förster in den Bergen,
da leb ich auf.

Er hat eine treue Hündin
und ´nen Jeep dazu.
Sie fahren durch die Wälder
und ich guck zu.

Er muss immer kontrollieren,
was im Wald geschieht.
Und es gibt rein gar nichts Böses,
was mein Förster nicht sieht.

Manchmal da gibt´s Probleme.
Wo gibt´s die nicht?
Dann hat mein lieber Förster
Sorgenfalten im Gesicht.

Doch zum Schluss ist immer alles
wieder okay.
Das ist der Grund warum ich
die Sendung mit dem Förster so gern seh.

Anmerkungen

„Förster an die Macht!“ – Urlaub von der Realität

Was macht die heile Welt einer Fernsehserie so verlockend? Ein Lied über „Forsthaus Falkenau“ führt zu Fragen nach Sehnsucht, Ordnung, Gerechtigkeit und der gesellschaftlichen Aufgabe von Unterhaltung. Ein Gespräch über den guten König, den Wunsch nach Sicherheit und die Freiheit, sich für eine Weile aus der Wirklichkeit auszuklinken.

1. Warum tut uns eine heile Fernsehwelt so gut?

In deinem Lied über Forsthaus Falkenau beschreibst du einen Förster, der mit seiner Hündin und seinem Jeep durch die Wälder fährt. Er kennt sein Revier, behält den Überblick und scheint zu wissen, was dort vor sich geht. Du schreibst sogar: „Und es gibt rein gar nichts Böses, was mein Förster nicht sieht.“
Was macht diese Figur für dich so sympathisch? Ist es die Natur, die Verlässlichkeit des Försters oder vielleicht das beruhigende Gefühl, dass es irgendwo eine Welt gibt, in der jemand den Überblick behält?

Ich bin sehr gern im Wald. Und ich bin in meinem Leben viel durch einen Hund begleitet worden. Hundehalter sind eine Gemeinschaft, die unter sich über die Freuden und die Leiden des Lebens mit Hund Bescheid wissen. Wenn du einen Hund hast, dann hast du bei mir schon mal ein großes Plus. Wenn du ihn ordentlich behandelst.

Der Förster ist derjenige, der im Wald dafür sorgt, dass alles harmonisch und nach den Regeln abläuft. Keine illegale Rodung, keine Wilderei, keine Störung des Wildes, keine Vermüllung. Er sorgt auch dafür, dass der Wald, als künstliche Umgebung, die er ja nun mal in Deutschland überall ist, gepflegt wird und erhalten bleibt. Insofern ist der Idealförster eine Idealfigur, wobei man sich wundert, dass es so wenig Försterfilme gibt.

2. Ist der Förster eine Sehnsuchtsfigur?

Du beschreibst den Förster als jemanden, der dafür sorgt, dass die Regeln eingehalten werden: keine Wilderei, keine illegale Rodung, keine Vermüllung, keine Störung des Wildes. Er greift ein, wenn etwas aus dem Ruder läuft, und kümmert sich darum, dass sein Revier erhalten bleibt.

Ist das vielleicht ein Teil der Faszination von Forsthaus Falkenau: dass es dort jemanden gibt, der sich kümmert und Verantwortung übernimmt? Und fehlt uns im wirklichen Leben manchmal genau dieses Gefühl, dass jemand hinsieht, sich zuständig fühlt und nicht einfach alles laufen lässt?

Ja: Es ist im Grunde „der gute König“. Es kann von mir aus auch „die gute Königin“ sein. Die gute Fee, die am Ende alles in die richtigen Bahnen lenkt, weil sie die Macht dazu hat. Wäre das nicht wunderschön? Wer braucht da noch Demokratie?

3. Warum wünschen wir uns manchmal einen guten König?

Du beschreibst den Förster als eine Art guten König oder gute Fee: Jemand hat die Macht, einzugreifen, erkennt das Richtige und sorgt dafür, dass am Ende alles wieder in Ordnung kommt. Im Märchen ist das ein vertrautes Motiv. Im wirklichen Leben verteilen wir Macht dagegen auf viele Schultern, gerade weil auch gut gemeinte Macht missbraucht werden kann.

Ist die Sehnsucht nach einer solchen Figur vielleicht vor allem die Sehnsucht danach, nicht ständig selbst mit allem konfrontiert zu sein? Danach, dass jemand kompetent entscheidet, Verantwortung übernimmt und uns die Unübersichtlichkeit der Welt für eine Weile abnimmt? Oder steckt darin noch etwas anderes?

„Lass mich doch mit dem ganzen Kram in Ruhe!“ – Genau! „Förster an die Macht!“ Und ich weiß, wofür ich arbeite, bekomme meinen gerechten Lohn und die Bösewichter werden aus dem Verkehr gezogen. Und wenn ich mal in Not bin, dann hilft mir mein Förster natürlich.

4. Ist die heile Welt auch eine Flucht aus dem Alltag?

In dieser Fernsehwelt scheinen die Dinge überschaubar zu sein: Man arbeitet, bekommt seinen gerechten Lohn, die Bösewichter werden zur Rechenschaft gezogen, und wer in Not gerät, kann auf Hilfe hoffen. Im wirklichen Leben ist das alles oft viel komplizierter. Zuständigkeiten sind unklar, Gerechtigkeit dauert, und manchmal bekommt gerade derjenige keine Hilfe, der sie am dringendsten braucht.

Ist Forsthaus Falkenau für dich deshalb auch eine Art Erholung von dieser komplizierten Welt? Kann man sich für eine Weile in eine Geschichte zurückziehen, in der die Dinge funktionieren, ohne dass man deshalb die Wirklichkeit verleugnet? Oder steckt in der Sehnsucht nach dieser heilen Welt auch eine Kritik an dem, was draußen nicht funktioniert?

Ich habe Forsthaus Falkenau von Zeit zu Zeit sehr gerne angeguckt. Die Episoden mit Christian Wolff als Martin Rombach. Aber ich habe dazu dieses Ironiezeichen gebraucht, das man ja auch im Text finden kann.

Eigentlich ist der Rückzug in die heile Welt einer Fernsehsendung ja tabu. Es müssen Missstände benannt werden, die Welt muss gezeigt werden, wie sie real ist. Menschen spielen schmutzige Tricks, um in dieser Welt zurechtzukommen. Und wir müssen trotzdem mit diesen Menschen zurechtkommen – und wer von uns niemals falsch spielt, der werfe den ersten Stein. Oder knipse den Fernseher aus.

Für mich war das „Urlaub von der Realität“.

5. Darf Unterhaltung auch eine politische Botschaft haben?

Du sprichst von einem „Urlaub von der Realität“. Gleichzeitig steht da dieser ironische Gedanke: Wer von uns niemals falsch spielt, der werfe den ersten Stein – oder knipse den Fernseher aus.

Muss Unterhaltung immer einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen? Darf man sich eine Sendung ansehen, in der am Ende die Guten gewinnen und die Welt wieder in Ordnung ist, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen? Und vielleicht noch grundsätzlicher: Brauchen wir solche kleinen Fluchten sogar, um anschließend wieder mit der wirklichen Welt zurechtzukommen?

Die Serie erfüllt ja einen gesellschaftlichen Auftrag – sonst wäre sie nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gelaufen. Der Auftrag war und ist, Menschen zu unterhalten auf die Art und Weise, wie sie das gerne möchten. Wobei dann immer der Vorwurf „Opium fürs Volk“ im Raum steht.

In der DDR war die Forderung an Unterhaltung, den Weg zur klassenlosen Gesellschaft zu ebnen – und zu unterhalten. Ich schaue heut noch gerne die alten 110 Folgen mit der „Genossin Major“. Dann stellt sich wieder die Frage: Ist es legitim, Unterhaltung und politische Botschaft miteinander zu verbinden? Ist das Manipulation? Gibt es eine politische Botschaft, die für alle verbindlich ist?

„Das ist ein weites Feld“, lässt Theodor Fontane Effi Briests Vater sagen.

Artwork: Beim Förster in den Bergen