Förster an die Macht! – Warum ich an die heile Welt glauben will
Gedanken zum Lied: ↗ Beim Förster in den Bergen
Dauer: 04:56
Urlaub von der Realität
In den ersten Jahren von „Forsthaus Falkenau“ mit Christian Wolff habe ich die Serie gern gesehen. Die Bilder aus der Bergwelt, der Förster mit seinem Hund und die Geschichten, in denen sich die Dinge am Ende wieder ordnen, hatten etwas Beruhigendes. Gleichzeitig war mir die vermeintlich heile Welt ein wenig peinlich. Also schrieb ich ein Lied darüber, das meine Begeisterung ironisch auf die Spitze treibt.
Der gute König im Forsthaus
Der Förster ist mehr als ein Mann, der durch den Wald fährt. Er kontrolliert sein Revier, erkennt Missstände und kümmert sich. Er sorgt dafür, dass Regeln gelten und Probleme nicht einfach liegen bleiben. In dieser Hinsicht ähnelt er einer Märchenfigur: dem guten König, der die Macht hat, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
Vielleicht liegt gerade darin die Sehnsucht, die solche Geschichten bedienen. Im Alltag sind Zuständigkeiten unklar, Entscheidungen schwierig und Verantwortung verteilt. In der Fernsehwelt dagegen gibt es jemanden, der hinsieht und handelt. „Förster an die Macht!“ – das klingt komisch, berührt aber eine durchaus ernsthafte Frage.
Unterhaltung als Flucht?
Man hat Probleme genug. Muss man sie sich auch noch im Fernsehen ansehen? Für mich war die Serie ein „Urlaub von der Realität“. Das bedeutet nicht unbedingt, dass man die Wirklichkeit verleugnet. Manchmal möchte man sich einfach für eine Weile in eine Geschichte zurückziehen, in der die Dinge funktionieren.
Der Vorwurf, Unterhaltung sei „Opium fürs Volk“, steht dabei schnell im Raum. Doch muss jede Unterhaltung Missstände aufdecken? Darf sie nicht auch einfach das bieten, was Menschen gern sehen?
Von Forsthaus Falkenau zur DDR-Serie
Auch alte DDR-Serien wie „Polizeiruf 110“ lassen sich heute noch anschauen. Zugleich stellt sich die Frage, welche Vorstellungen von Gesellschaft und Mensch sie vermitteln sollten. Unterhaltung konnte ausdrücklich mit Erziehung und einem politischen Menschenideal verbunden sein.
Damit ist man bei einer grundsätzlichen Frage: Ist eine politische Botschaft in einer Unterhaltungssendung schon Manipulation? Und gibt es überhaupt eine politische Botschaft, die für alle verbindlich sein kann?
Das Lied zur Episode
„Beim Förster in den Bergen“ macht sich über die Verlässlichkeit dieser Fernsehwelt lustig – und verrät dabei auch etwas über ihre Anziehungskraft. Das Lied und weitere Informationen gibt es hier:
Beim Förster in den Bergen – Lied und Anmerkungen von Detlef Cordes