Max Dauthendey - Meerwassergeruch

Artwork: Max Dauthendey - Meerwassergeruch

Über dieses Lied

Ein Gedicht von Max Dauthendey, das eine Landschaft wie im Fiebertraum entstehen lässt: gleißende Weite, sengende Hitze, schwarzer Wolkenschatten und ein fernes, bedrohliches Gewitter. Die Natur erscheint nicht als friedliche Kulisse, sondern als elementare, beinahe unwirkliche Kraft. Max Dauthendey (1867–1918) gehörte zu den eigenwilligen Vertretern der deutschen literarischen Moderne. Seine Lyrik lebt von intensiven Farben, Sinneseindrücken und ungewöhnlichen Bildverbindungen. Er selbst beschrieb seine frühen Gedichtversuche als Versuche, die Stimmung eines bestimmten Naturerlebnisses möglichst unmittelbar in Sprache zu verwandeln. „Meerwassergeruch“ gehört in diesen frühen poetischen Zusammenhang. Detlef Cordes hat den Text musikalisch interpretiert und ihm eine eigene klangliche Gestalt gegeben. Ein Gedicht zwischen Naturerfahrung, Sprachbild und musikalischer Verdichtung. Musik: Detlef Cordes.

Ein Blau aus fliehenden Wäldern
Sengend, nachtheiß.
In hohler Weite schneidend weiß.
Sand bis zum Erdrand.

Wolkenschatten in schwarzbleichem Zug,
Stumme Geier in lohendem Flug,
Röchelnde Stille.
Gelb zücken die Lüfte.
Fern Donner
Blutet schwarzrot
Durch eisige Klüfte.

Text: Max Dauthendey. Musik ©2001 Detlef Cordes

Artwork: Max Dauthendey - Meerwassergeruch