Rainer Maria Rilke: Herbst

Artwork: Rainer Maria Rilke: Herbst

Über dieses Lied

Rainer Maria Rilkes Gedicht „Herbst“ entstand am 11. September 1902 in Paris. Es gehört zu den Gedichten, mit denen Rilke sein „Buch der Bilder“ erweiterte. Die zweite, stark erweiterte Ausgabe erschien 1906. Ausgangspunkt ist das Fallen der Blätter. Doch Rilke weitet dieses Naturbild zu einer existenziellen Erfahrung aus: Nicht nur die Blätter fallen, auch die Erde scheint aus dem Sternenhimmel in die Einsamkeit zu stürzen. Schließlich wird das Fallen zum Bild für unser aller Leben. Nichts bleibt stehen, nichts entzieht sich der Vergänglichkeit. Und dann verändert sich die Perspektive. Mit den letzten beiden Versen öffnet Rilke einen Raum für Trost und Geborgenheit. Das Fallen wird nicht aufgehoben, aber von einer unendlich sanften Hand gehalten. Wer dieser Eine ist, bleibt offen – eine religiöse Deutung ist ebenso möglich wie die Vorstellung einer umfassenden, schützenden Kraft. Ich habe Rilkes Gedicht neu mit der E-Gitarre vertont. Die Gitarre nimmt die Bewegung des Fallens auf und lässt zugleich Raum für den stillen Trost, der in den letzten Versen liegt. Ein Lied von Detlef Cordes.

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Artwork: Rainer Maria Rilke: Herbst