Rainer Maria Rilke: Die Einsamkeit ist wie ein Regen - Version 2026

Artwork: Rainer Maria Rilke: Die Einsamkeit ist wie ein Regen - Version 2026

Über dieses Lied

Rainer Maria Rilke schrieb das Gedicht „Einsamkeit“ am 21. September 1902 in Paris. Es gehört zu seinem „Buch der Bilder“, das 1906 in einer erweiterten Ausgabe erschien. In diesen Jahren entwickelte Rilke eine neue, bildhafte Lyrik, in der äußere Wahrnehmungen zu Ausdruck innerer Erfahrungen werden. Die Einsamkeit erscheint hier nicht als persönliches Gefühl, sondern als ein Naturereignis. Sie steigt vom Meer auf, zieht über die Ebenen zum Himmel und fällt schließlich als Regen auf die Stadt. Rilke beschreibt die Einsamkeit der Menschen, die sich enttäuscht voneinander lösen, und jene, die einander sogar im gemeinsamen Bett fremd bleiben. Am Ende geht die Einsamkeit mit den Flüssen weiter. Ich habe dieses Gedicht neu vertont. Eine weiche, melodiöse Jazz-E-Gitarre nimmt die Bewegung der Verse auf. Ihre zurückhaltende Klangfarbe lässt Raum für die Bilder Rilkes und für die stille Melancholie des Gedichts. Ein Lied von Detlef Cordes.

Die Einsamkeit ist wie ein Regen
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen
Von Ebenen, die fern sind und entlegen
Geht sie zum Himmel, der sie immer hat
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt

Regnet hernieder in den Zwitterstunden
Wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
Und wenn die Leiber, welche nichts gefunden
Enttäuscht und traurig von einander lassen
Und wenn die Menschen, die einander hassen
In einem Bett zusammen schlafen müssen

Dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen

Text: Rainer Maria Rilke - Musik: ©2026 Detlef Cordes

Artwork: Rainer Maria Rilke: Die Einsamkeit ist wie ein Regen - Version 2026