Nachtblume – Eichendorff

Live Programm: Eichendorff Jazz
Artwork: Nachtblume – Eichendorff

Über dieses Lied

Eichendorffs Gedicht bündelt zentrale Motive der Romantik und zeigt, dass diese Epoche weit mehr ist als pure Naturverklärung. Die Nacht fungiert hier als typisch romantischer Seelenraum, in dem die rationalen Hüllen des Alltags fallen und die Grenzen zwischen Gedanken und Träumen verschwimmen. Während im äußeren Leben Pflichten und Funktionieren verlangen, Herz und Mund zu schließen, öffnen sich im Schutz der Dunkelheit jene ungreifbaren Räume für Wünsche und Melancholie, die in einer zweckorientierten Welt keinen Platz haben. Das Gedicht verknüpft diese Innenschau mit der Auflehnung gegen die nüchterne Realität, indem es dem unbewussten Fühlen und Schweben dieselbe absolute Gültigkeit verleiht wie dem klaren Verstand.
Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.

Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen Räume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Ob´s Gedanke oder Träume?

Schließ' ich nun auch Herz und Mund,
Die so gern den Sternen klagen:
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.

Artwork: Nachtblume – Eichendorff