Warum Abschiednehmen so schwerfällt
Gedanken zum Lied: ↗ Einfach weg gehen
Dauer: 05:09
Bin gut im Weggehen – aber nicht im Tschüss-Sagen
Ich kann gut weggehen. Aber ich kann mich schlecht verabschieden. Manchmal verschwinde ich lieber heimlich. Manchmal bleibe ich bis zum Schluss, helfe noch beim Aufräumen und finde den Absprung nicht. Zwei gegensätzliche Verhaltensweisen, hinter denen vielleicht dasselbe Problem steckt.
Was soll zwischen uns bleiben?
Ein Zusammensein wird unterbrochen. Man möchte gehen, aber die Beziehung zum anderen soll bestehen bleiben. „Bis zum nächsten Mal“ ist eine schöne Formel, weil sie aus dem Abschied eine vorübergehende Trennung macht. Doch warum fällt es uns so schwer, einfach zu sagen, dass wir jetzt nach Hause möchten?
Gerade bei größeren Zusammenkünften wird das Gehen zu einer kleinen Inszenierung. Gespräche werden unterbrochen, plötzlich steht man im Mittelpunkt und soll womöglich noch erklären, warum man schon geht. Also sucht man nach einer Begründung. Dabei möchte man vielleicht einfach nur nach Hause.
Die Angst, andere zu verletzen
Vielleicht hat das mit unserem Selbstwertgefühl zu tun und damit, wie sicher wir uns in unseren Beziehungen fühlen. Wer selbst erlebt hat, wie schmerzhaft es ist, zurückgelassen zu werden, möchte anderen diesen Schmerz möglicherweise ersparen. Man weiß schließlich nicht, was der eigene Abschied für den anderen bedeutet.
So kümmern wir uns um die Gefühle anderer, bevor wir überhaupt wissen, was diese Menschen tatsächlich empfinden. Und je mehr wir darüber nachdenken, desto unsicherer können wir werden.
Wir alle sitzen in unserem eigenen Film
Wir sehen die Welt aus unserer eigenen Perspektive. Wir deuten Gesten, Worte und Verhaltensweisen und wissen oft nicht, ob unsere Deutungen stimmen. Vielleicht steckt hinter der Schwierigkeit, sich zu verabschieden, auch die Angst vor Einsamkeit und Zurückweisung.
Wir sitzen alle in unserem eigenen Film. Und manche sitzen ganz allein im Kino.
Keine Ratschläge, sondern Gesellschaft
Was hilft dagegen? Einfach selbstbewusster sein? Sich nicht so anstellen? Solche Ratschläge sind schnell ausgesprochen. Aber ob sie irgendjemandem wirklich helfen, ist eine andere Frage.
Vielleicht muss ein Lied gar keine Lösung anbieten. Vielleicht reicht es, wenn es sagt: Mir geht das auch so. Du bist mit dieser Schwierigkeit nicht allein. Dann wird das innere Kopfkino vielleicht ein wenig voller und der Kinosaal ein bisschen weniger einsam.