Heinrich Heine: Liebchen, wir saßen beisammen

Live Programm: Heinelieder
Artwork: Heinrich Heine: Liebchen, wir saßen beisammen

Über dieses Lied

Entstanden in den Jahren 1822–1823 während Heines Zeit in Berlin. Das Gedicht verknüpft das Motiv einer traumartigen, unheimlichen Kahnfahrt mit der Sehnsucht nach einem unerreichbaren Glück (der Geisterinsel) sowie der romantischen Schwanengesang-Metapher. Es schildert das Vergehen der Liebe und das Entgleiten von Hoffnung ins Trostlose. Das Gedicht erschien 1823 im „Lyrischen Intermezzo“ (Gedicht Nr. 63 / 64) und 1827 im „Buch der Lieder“.

Mein Liebchen, wir saßen beisammen,
Traulich im leichten Kahn.
Die Nacht war still, und wir schwammen
Auf weiter Wasserbahn.

Die Geisterinsel, die schöne,
Lag dämmrig im Mondenglanz;
Dort klangen liebe Töne,
Und wogte der Nebeltanz.

Dort klang es lieb und lieber,
Und wogt' es hin und her;
Wir aber schwammen vorüber,
Trostlos auf weitem Meer.

Es singt der Schwan im Weiher,
Und rudert auf und ab,
Und immer leiser singend,
Taucht er in's Flutengrab.

Es ist so still und so dunkel!
Verweht ist Blatt und Blüt,
Der Stern ist knisternd zerstoben,
Verklungen das Schwanenlied.

Artwork: Heinrich Heine: Liebchen, wir saßen beisammen