Was will die einsame Träne?

Live Programm: Heinelieder
Artwork: Was will die einsame Träne?

Über dieses Lied

Entstanden in den Jahren 1823–1824. In einer melancholischen Rückschau blickt das Sprecher-Ich auf eine verbliebene Träne als letztes Überbleibsel längst vergangener Emotionen und Enttäuschungen. Sämtliche Wegbegleiter, Träume und selbst die einst übermächtige Liebe sind im Laufe der Zeit verweht; die verbliebene Träne steht als melancholisches Symbol für das endgültige Loslassen und Vergehen der Vergangenheit. Das Gedicht erschien 1824 im Zyklus „Die Heimkehr“ (Gedicht Nr. 27) und 1827 im „Buch der Lieder“.

Was will die einsame Träne?
Sie trübt mir ja den Blick.
Sie blieb aus alten Zeiten
Im Auge mir zurück.

Sie hatte viele Schwestern,
Die alle zerflossen sind,
Mit meinen Qualen und Freuden
Zerflossen in Nacht und Wind.

Wie Nebel sind zerflossen
Die blauen Sternelein,
Die mir die Freuden und Qualen
Gelächelt ins Herz hinein.

Und meine Liebe selber
Zerfloss wie eitel Hauch!
Du alte, einsame Träne,
Zerfließe du nun auch!

Text von Heinrich Heine, adaptiert von Detlef Cordes

Artwork: Was will die einsame Träne?